„Reise, reise!‟
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
Der Ruf mit dem der Bootsmannsmaat der alten Wache die neue Wache die „verfangen‟ soll aufweckt. Wie oft ist dieser Ruf für englisch gehalten worden, wo to rise bekanntlich aufstehen heißt. Und doch wurden in Ostfriesland Leute mit dem Rufe riis! geweckt, lange ehe Britannien daran dachte die Wogen zu beherrschen. Schon im Alt fries is chen, das seit fünfhundert Jahren nicht mehr gesprochen wird, hieß es: „riys oer ein! Di sinne scynt yn dyn naest!‟ Aufstehen, sich erheben hieß eben altfriesisch risan, gotisch urreisan, althochdeutsch risan, mittelhochdeutsch risen, mit tel nie der deutsch noch ziemlich spät und zwar, wie die davon abgeleiteten Wörter bezeugen, nahe an reisen ankling end, ebenfalls risen. Daher kommt nämlich ein Reisiger, einer der sich aufmacht, zu Felde zu ziehen. Daher das schweizerische pleonast is che Reislaufen, in fremden Kriegsdienst treten. Schon im Althochdeutschen hieß reis a Aufbruch, Kriegszug, und daraus ent stand nach und nach unser „Reise‟ im Sinne von: „So jemand eine Reise tut,‟ dabei gilt es ja und galt es früher noch mehr, sich früh zu erheben, „der Sonne entgegen‟ zu gehen. — Sehr deutlich hat die Architektur in ihrem Worte Riese die Bedeutung „sich erheben‟ festgehalten. Sie unterscheidet in der Gothik bei einer Fiale, diesem kleinen schlanken Türmchen, den Leib und den Riesen, und dieser ist der Teil der sich verjüngend nach oben strebt. — 1673 hieß nie der deutsch das Steigen, das Höhergehen der Sonne noch risen; „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟: „im gewi esten tho gahn, so mag man diese Pegeling 2. à 3. mahl dohn, und ein jedermahl anschriven, doch mut solckes kort na ein ander geschehen ehr de Sün vel rist.‟ — „Wenn gy nu sünd by Norden de Sünn, dat ys wen de Sünn Südwart van juv ys, und upt Högeste ys geresen, so nehmet den Stock (Jakob tab), und settet ehn an dat buten Kant, nevens juw Ogappel, und schufet dat Krütz so lang, dat gy dat bawenste Ende vant Krütz recht int midden up de Sünn krigen, und dat under ste Ende just an de Kimmen offt Horizont des Waters. Wachtet den ein weinich und proberet ydt wedder, und wat de Sünn den höger reist, dat halet dat Krütz na juw, bet gy sehn dat de Sünn nicht mehr riest, so ys ydt wol.‟
Readham'da tam maddeyi gor →