lecken
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 5
= Wa er durchla en, bedeutet eigentlich dürsten, austrocknen, vor Trocken he it Ritzen bekommen und dann Wa er durchla en; lechzen ist eigentlich auch ri ig werden vor Trocken he it und erst übertragen „vor Trocken he it schmachten‟, und ist iterative Bildung von lechen, austrocknen, weiter zurückführend auf das oberdeutsche Adjective lech = ri ig, undicht, wofür wir jetzt die nie der deutsche Form leck haben (Heyne). Von der Schiffahrt her im 17. Jahrhundert in die Schriftsprache gekommen. Davon das Substantiv der Leck, das Leck , sogar die Lecke. — Althochdeutsch lechen, Edda: lek a, angelsächsisch lekkan, naß machen, tropfen, lecken (das Lecken mit der Zunge ist ein and eres Wort). — Leckasche ist das, was an flü igen Waren aus den Fä ern rinnt und in Abzug zu bringen ist. — Wie die Seefahrer des 17. Jahrhunderts ein Leck stopften erzählt der Verfa er der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, Rostock 1673: „Weil wir nun auch ein Leckschiff hatten, gingen etzliche von dem Volck bey die Pump; wir andern gedachten uns von den Masten frey zu machen, daß Wa er aber nam im Schiff überhand, so, daß wir vermerkten, daß wir noch eine größere Leck bekommen hatten, welches eine große Bestürtzung unter dem Volck machte; Ich war bißweilen in dem Soct (Pumpensood), märckte endlich, daß das Wa er muste von ferne kommen, derowegen sandte ich den Zimmermann mit einigen nach den vordersten, sie machten den Vorluck auff, da wurden sie gewahr, daß das Wa er häuffig einbrausete, rieffen derowegen, daß da die Leck wär: wir hatten aber zu unsern Glück, wenig Gut in Boch gestauet, derhalben dürfften wir nur wenig Fä er in Stücken hauen, worin Verginisch Tobacksblätter wahren, den unsere Ladung war Zucker und To back, daß Volk nam gantze Armen voll Tobacksblätter, und fielen dam it gegen das Wa er an, und legten sich darauff, daß es nicht in die Höhe brausen konte, sonst konte man dar nicht beykommen, den es war anzusehen alß wenn der gantze Boch offen war; Wie nun das Wa er mit den To back gedampffet, könte man darunter fühlen wo daß Wa er herkam, also funden wir erstlich ein Holtzen Nagel Gat, welchen Nagel daß Fockenspar (eine bis an die Bordwand reichende Planke der Spur des Fockmastes?) hatte a us ger is sen, wir machten also bald einen Pfropff von ein Stück Ochsenfleisch, drückten es dar hinein, legten dar ein wenig von einem Bret auff, und dar eine Streve gegen an, da ward es dicht, noch funden wir eine Planck mitten auffgeborsten, welches viel Wa ers brachte, wir nahmen Ochsenfleisch, legten es gegen das Gat an, und dar Stücklein von Brettern auff, so zwischen die Inholtzen paste, und solches ward bestrebet, dam it daß Wa er das Fleisch nicht wegtreiben konnte, da ward es dicht, welches uns einen guten Muht machte, und wenn wir mit solchem in der Eyl nicht waren vorgekommen, solte es bald mit uns ein böses Ende genommen haben. Wir pumpten das Wa er bald wieder aus, nachdem giengen wir bey die Masten, die immer gefährlich auff das Schiff an rammel ten, und machten uns davon frey.‟ — Leck wird auch als Adjektivum und Adverbium gebraucht, „das Schiff ist leck geworden‟, „das Boot ist leck gesprungen‟. Höchst auf fallen der Weise hat der Uebersetzer der „durchläuchtigsten Seehelden‟ anstatt leck „luck‟. „Black war unterde en mit siebenzig Segeln bey Fayer-hill unter die große Fischerey geraten, allda er dreyzehn Buys-Convoyer genommen, etliche Buysen geplündert, etliche vom Volck entblößet treiben la en, und die übrigen jedwede seines Weges gejaget. Tromp der ihm vor genom men ihn zu finden, ward bei Fayer-hil und Hitland von einem harten Sturm überfallen, er selber war in großer Gefahr zu sinken, weil das Schiff sehr luck worden, und bloß mit Bomben (Bumpen) noch oben zu halten.‟ Als oberdeutschem Manne war ihm das seemännische leck wohl unbekannt oder ungeläufig, er hatte aber einmal etwas davon gehört, daß es auf Schiffen Oeffnungen gäbe, die man Luken nenne.
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