klar

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 5
Dieses vielgebrauchte Seem anns wort ist und bleibt in allen seinen Verwendungen immer das late in is che clarus = rein . Ob es nun klar, hell, deutlich, durchsichtig, unvermischt, schier, abgeklärt, gahr, fertig, bere it bedeutet, immer ist der Begriff rein das Au chlaggebende. Sogar wenn das Kommando „Klar Schiff zum Gefecht!‟ kommt, ist die Bedeutung zunächst nur: rein das Schiff von allem was im Gefecht hinder lich sein könnte, fort mit allem was im Wege ist (und dann: her mit allem was zur Schlacht gebraucht wird, was man haben muß um zum Kampfe bere it zu sein). So sehr also „Rein Schiff‟ und „Klar Schiff‟ be griff lich von einander vers chi eden sind, sprachlich stehen sich die beiden Kommandos sehr nahe, nur daß bei „Rein Schiff‟ der Schmutz, bei „Klar Schiff‟ was sonst im Wege ist, entfernt wird.  —  Mit tel nie der deutsch: klar = klar, hell, strahlend, herrlich, schön. Ein Hansareceß von 1386 spricht von einem „klare vorste unde dorluchtige here;‟ auch von einer claren eddelen vorstinne, von einer claren edelen juncvrouwen ist in jenen Tagen die Rede. Aber auch schon damals ward das Wort seemännisch gebraucht für „in guter Ordnung sein‟: „und haelden beyde schepe tho hope und hadden unse dynck klaer‟ (zum Gefecht); „als wy nu menden, dat wy it klaer hadden, so horde wy, dat dar noch folk under der luken was.‟ —  „Wache klar zum Manöver!‟ „Alle Mann auf, klar zum Manöver!‟ „Klar zum Wenden!‟ etc. etc. „Klar beim Bolzen, klar beim Fall, klar bei der Schot‟... sind alles Befehle an die Leute die es angeht, sich bere it zu halten zu dem Kommenden und ihre Aufmerksamkeit auf das zu richten, was dabei zunächst zu geschehen hat. „Klar machen zur Musterung!‟ bedeutet noch nicht die Musterung selbst, sondern den Befehl, sich dazu fertig zu machen. „Klar machen zur Kirche!‟ heißt den Altar aufs tellen, Stühle und Bänke zurechtsetzen, den Kirchenwimpel anstecken, fertig zum Hi en etc. etc. „Gig klar, Kutter klar!‟ lautet der Befehl, das betreffende Boot zu Wa er zu la en, zu bemannen und fertig zum Einsteigen an die Fallreepstreppe zu legen, was, wenn es alles geschehen ist, dem ersten Offizier gemeldet wird: „Kutter klar!‟ ( ist klar), „Klar Deck‟, „klar Deck überall!‟ heißt das Deck nach einem Manöver wieder in den vorigen Stand verset zen, so daß alles wieder für ein neues Manöver gebrauchsfähig bere it ist. Ein „ klarer Anker ‟ ein von seinem Tau, seiner Kette freier, d. h. wohl an diesel be befestigter, aber von ihr frei d. h. ungehindert sich be we gender Anker, in seiner Verwendung von Tau oder Kette nicht gehemmt. Daher tragen die Unteroffiziere der Marine, die nicht direkt etwas mit der Seem anns chaft zu tun haben, einen klaren Anker, ohne Tau, die seemännischen Unteroffiziere einen unklaren, von einem Tau umschlungenen, in ein Tau verwickelten Anker, weil an genom men wird, daß sie in der Lage sind, einen unklaren Anker zu „ klariren ‟ d. h. klar zu machen. Klariren ist etwas and eres als aufklaren, indem letzteres ganz allgemein aufräumen bedeutet, ersteres aber gesagt wird, wenn eine Sache nicht so ist wie sie sein soll, um ihren Zweck zu erfüllen, wenn z. B. ein Tau einen Kink hat und man diesen beseitigt.  — Das von klar kommende hochdeutsche erklären heißt nie der deutsch-seemännisch verklaren ; daher Verklarung vor Gericht (s. d.) Das mit tel nie der deutsche Zeitwort klaren bedeutet hell machen, ins Reine bringen, eine Rechnung bezahlen; intransitiv: erhellen.  —  Ein so häufig gebrauchtes Wort wird selbstverständlich auch in übertragenem Sinne angewandt. So heißt z. B. „klar beim Bolzen‟ überhaupt bere it sein zu irgend einem Werke, und „klar Deck machen‟ irgendwo aufräumen, dazwischenfahren, Ordnung schaffen; wie denn im Mittelniederdeutschen unklar sogar in moral is chem Sinne gebraucht ward für unehrlich; Lübecker Totentanz: „hefet unklar gewest in talle, mate, wichte, rekenschop und ok in kope‟, sagt der Tod zum Kaufmann.  —  Eine ganz auffallende Bedeutungsverschiebung hat sich mit dem Wort klar im Englischen vollzogen. Da nennt man heutzutage allgemein Rotwein claret. Klaret war aber im Mittelniederdeutschen weißer Wein, weißer Gewürzwein, nämlich über Gewürz abgezogen und dann geklärter Wein. Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch II. 473: „In dem Catal. med. (Lübeck 1784) wird vinum claretum als weißer, vinum hippocraticum als roter Gewürzwein aufgeführt, und letzterer doppelt so hoch angesetzt als ersterer. Die Bereitung beider beschreibt Gwaltherus Ryff in seiner kleinen Apoteck oder Konfektbüchlein, Straßburg 1552.  —  „Ein kostlick klareth edder czuckerwater; wenn men czucker int water werpet, so i et nicht mehr water, sunder ein köstlich klareth edder czuckerwater.‟
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