Boje

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 3
die. Ein Seezeichen, nach Zweck und Gebrauch ähnlich der Bake, nur daß die Boje schwimmt und die Bake meistens auf dem Lande oder dem Meeresgrunde befestigt ist. Nach der Gestalt unterscheidet man Bakenboje, Blockboje, Glockenboje, Kegelboje, Pfahlboje, Spierenboje, Tonnenboje, wie denn auch Tonne (s. d.) allein häufig, ebenso wie Boje und Bake, für Seezeichen gebraucht, und zwar, wie es scheint, in neuerer Zeit immer häufiger angewandt wird. („Lootsenund Betonnungswesen‟). Nach der Farbe unterschieden giebt es weiße, schwarze, rote, gestreifte und gewürfelte Bojen. Nach ihrem Zweck: Ankerboje, Anseglungsboje, Hafenboje, Mooringsboje, Rettungsboje, Signalboje, Verholboje, Vertäuboje, Festmacherboje, Warnboje, Warpboje, Wrackboje, Deviationsboje. Boje ist ein Lehnwort aus dem Late in is chen und bedeutete ursprünglich nur Fe el. Bei dem late in is chen Schriftsteller Festus kommt es mit der Erklärung vor: „genus vinculorum tam ferreae quam ligneae,‟ ist dann in das Alt it alien is che übergangen, wo es noch boja hieß, ins Provençalische, wo es die Form boi a annahm, und ins Französische, wo es altfranzösisch als buie, Kette, Fe el vorkommt.  — Weil der Henker dem Spitzbuben gleichsam eine Halsfe el anlegt, so heißt er im It alien is chen boja. Boja bedeutet nicht bloß Kette, sondern irgend ein zum Fe eln geeignetes Ding, zum Be i spiel einen Riemen, aus einer Tierhaut, genauer einer Ochsenhaut geschnitten, und da bos der Ochse heißt, so ist also Riemen aus Ochsenhaut die älteste Bedeutung. Nun fe elte man, band man fest an solchen Riemen, an ein Tau, an eine Kette ein Stück Holz in der Weise, daß das eine Ende am Holze fest war, das andere an einem auf dem Meeresgrunde liegenden Stein. Und bald übertrug man den Namen des haltenden Dinges auf das Gehaltene und nannte das Stück Holz nach der boja, die es festhielt, Boje. Offenbar hat sich diese Bedeutungsübertragung auf dem Durchgang durch das Französische vollzogen, wo 1702 Boje in der Form bouée vorkommt: „une marque faite d'un morceau de bois ataché à l'or in.‟  —  Aber noch weiter ist man mit der Übertragung der Bedeutung gegangen, so we it, daß von der ursprünglichen gar nichts mehr vorhanden ist. Diese Neugeburt kam in drei Abschnitten zu Stande: 1. Boje = Fe el. 2., Boje = gefe eltes Stück Holz oder Kork oder dergl. 3., ein Stück (Ring von) Kork ganz ohne Fe el, frei durch die Luft als Rettungsboje dem ins Wa er Gefallenen zugeworfen.  —  Doch war im Holländischen vor 200 Jahren die Bedeutung Fe el auch den Seeleuten noch durchaus geläufig, denn einen „in de ysers of boyen setten‟, hieß einen in Eisen, in Fe eln legen. Kilianus, über 150 Jahre früher, hat das Wort als bouye = vinculum ped is; dann aber auch = an choral i a tabula, anchorae index in superficie aquae natans, also Ankerboje. Diese Bedeutung im übertragenen Sinne ist also die älteste und ist auch hauptsächlich in das Bewußtsein der (nicht seemännischen) Schriftsteller übergegangen: Schreibt doch Weil and: „boei = eene ton, of een blok hetwelk op het water dryft en de plaats aanwyst, waar het anker ligt.‟ Sonst kennt er auch boei noch als Band, „met de stalen boei aan 't been.‟ In der Mehrzahl heißt es: Gefängniß. Auch bildlich gebraucht: „met de boejen des huwelyks (der Ehe) be last.‟ —  Siehe auch „Tonnenboyer.‟
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