Siel
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
das, die bekannte Entwä erungsvorrichtung an den Nordseeküsten, die dem Binnenwa er Abfluß in das Meer verschafft. Zur Zeit der Flut muß durch das Siel die Öffnung im Deich verschlo en werden, dam it das Meer was ser nicht das Land überschwemme. Zur Zeit der Ebbe wird dann die Schleuse des Siels geöffnet, so daß das während der Flut in einem Sammelbecken binnendeichs aufgestaute Wa er nach See zu abfließen kann. Wo ein Siel ist, da wohnt ein Sielwärter; wo einer wohnt, siedelt sich leicht ein anderer an. So entstehen die Dörfer mit der Endung Siel: Mariensiel, Rüstersiel, Karolinensiel, Neuharlingersiel etc. Im weiteren Sinne ist Siel irgend eine Was ser lei tung, eine Abzugsrinne, ein Zuleitungsrohr etc. etc. In diesem Sinne kommt sile = aqueduct us schon in der Hist or i a de fund at i one mon aster i i Rastedensis vor, die 1290-1310 etwa geschrieben ist. — In dem Worte Siel steckt der Begriff von seihen, althochdeutsch sihan. Aus diesem Zeitwort, das die Bedeutung „Wa er durchla en‟ hat, mag, wie Doornkaat vermutet, erst ein Subs tanti vum sihila, ein Etwas was Wa er durchläßt, gebildet worden sein, was dann in sila kontrahiert wurde, de en offene Endsilbe leider, wie bei so vielen alt fries is chen Wörtern, geschwunden ist, so daß nun die einsilbigen Leute bei der Au prache eines solchen Wortes den Mund nicht mehr aufzutun brauchen.
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