Wrack
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 8
das, ist ein durch Schiffbruch oder den Zahn der Zeit unbrauchbar gewordenes Schiff. — So sehr das Hochdeutsche von jeher dem Anlaut wr abgeneigt war (vergl. Graff, Althochdeutscher Sprachschatz zu WR) so hat ihn doch das Nie der deutsche und mit ihm die Seemann prache bis auf den heutigen Tag in einer ganzen Anzahl von Wörtern beibehalten. — Wrack geht zurück auf das gotische vrikan, de en Stamm vrak ist und das rächen, tadeln, verbannen (angelsächsisch vräc, Verbannung wraeca, ein Verbannter), tadelnd schelten, verfolgen, für nicht gut erklären, au toßen bedeutet. Ein Wrack ist also etwas vom Meere Ausgestoßenes das nicht mehr (als Schiff) brauchbar ist, etwas, nämlich zunächst ein Schiff, das durch Schiffbruch in einen solchen Zustand gebracht ist, daß man es „für nicht mehr gut‟ erklären muß; oft heißt daher auch ein einzelnes Stück oder ein Teil von einem Schiffe schon Wrack. Im Alt fries is chen hieß wrac beschädigt; verwandt mit dem go this chen vraiqs, krumm, schräg, schief, was gerade sein sollte, nicht nur ein gescheitertes, und dadurch unbrauchbar gewordenes Schiff, sondern überhaupt etwas Schadhaftes. Daher wraken für untauglich erklären, = dem erwähnten got is chen vrikan im Sinne von tadeln; au chießen, verwerfen. Im Hamburg ist ein Wraker ein Mann, der die Waaren beurteilen und das Untaugliche verwerfen muß. Daher heißt wrack auch etwas das nur einen gewi en Schönheitsfehler hat, und man nennt einen Menschen mit einem etwas verschobenen, schief gezogenen Gesichte wrak-snute; sonst wrak-good, wrak-hering, wrak-kese, wrak-teer u. s. w. Die älteste mir bekannte Stelle wo das Wort vorkommt ist eine Urkunde vom 26. August 1176 (Gedruckt bei Sartorius-Lappenberg, Hansa, II. 8) in der König He in rich II. von England Lübeck und andere deutsche Städte vom Standrecht befreite: „... volentes etiam, ut si con tiger it naves vestras in part i bus nostris periclitari et de tali nave per i clit at a, aliquis homo vivus evaserit et ad terram venerit, omnia bona et catalla (?) in ill a nav i content a remaneant, quorum prius fuerunt nec ex eo quod Wreccum dicitur, ver is dominis extorqueantur.‟ — Der Verfa er der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, Lübek 1673, berichtet von durchlebtem Sturm in der Nordsee und havariertem Schiffe: „es war auch Winters Tag, hatten auch ein Schiff, welches nicht allein wegen Masten und Segel redlos war, sondern auch wegen fallen der Masten und des Bochsprets zu zerbrochen, und beschädiget, daß es mehr vor ein Wrack den ein Schiff anzusehen war.‟ — Nach Werner: „Schule des See we sens‟ machen die (Holz-)Schiffbauer einen ausgiebigen Gebrauch von dem Worte Wrack, indem sie minderwertiges Holz noch einmal unterscheiden und dabei von „Wrack‟ und von „Wracks-Wrack‟ sprechen. — Abwracken , ein altes Schiff abbrechen und zu Brennholz machen, s. sloopen. — Zu ver glei chen Grimm VIII. 14: „im neueren isländischen wird ein fem. raeki, vindicta aufgeführt (Biörn Haldarson, 2, 220) dem wenigstens älter ein verbum raekja to reject, refuse und ein adj. raekr, rejected, outcast, neben dem verbum reka entsprechen, Vigfu on 506. im subst. wie in dem verbum rächen ist ein alter gemeingermanischer rechtsbegriff beschlo en, das setzen außerhalb der landrechts und die austreibung aus dem lande in folge an griffs auf den land fri eden, eine mildere und nicht entehrende art derjenigen strafe, als deren höchste und zugleich vogelfrei machende stufe die verurteilung zum wargus (Geächteten) angesehen werden mu .‟ — Das mittelniederländische Zeitwort wraecken hatte eine ähnliche Bedeutung, nämlich „vom richtigen Kurs abgebracht werden‟, vergl. Waghenaer, „Spiegel der Zeevaerdt,‟ Amsterdam 1588:... „so moet ghy somtyts v Lootlyne, met en hout oft anders achter vt laten gaen, ende setten v Compa e achter om hooghe, ende sien by de linie lancz wat v Schip wraeckt oft van den golffnen af gheworpen wert, op dat ghy gheen quade ghi inge en maeckt‟...
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