abreiten

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 1
einen Sturm vor Anker. Es lag nahe an das Reiten auf einem Pferde zu denken, denn das vor einer oder mehreren Ketten auf den hochgehenden Wogen aufund abtanzende Schiff mag wohl mit einem mutig stamp fen den und steigenden Pferde verglichen werden, aber es hat dieses „reiten‟ dam it so wenig zu tun wie Friedhof mit Frieden. Denn einmal sagt man nicht bloß: „Das Schiff reitet einen Sturm ab‟, sondern es reitet auch bei schönem Wetter, sobald es auf einer Reede vor Anker liegt. Sodann müßte das Wort, wenn es unser hochdeutsches Reiten anginge, nie der deutsch riden heißen, es heißt aber reiden, weil es von dem niederdeutschen reide = Reede kommt, von der Reede auf der ein Schiff liegt, wenn es zur Abfahrt bere it ist, oder die es aufsucht um be eres Wetter vor Anker abzuwarten; reiden, rheden war im Mittelniederdeutschen gleich „vor Anker liegen‟; wir würden also gut tun, größerer Deutlichkeit halber auch heute noch reiden und abreiden zu schreiben. Althochdeutsch rit an. Das heißt übrigens nicht reiten in unserem modernen Sinne, sondern überhaupt sich von einem Orte zum anderen bewegen, fahren zu Wagen oder zu Schiff , von einem Stamme rid mit dem Grund be griff der Ordnung, der ordnungsmäßigen Bewegung. Und so kommen (wie Friedhof und Freithof) das Reiten auf einer Reede und das Reiten auf einem Pferde schließlich doch auf einen und denselben Ursprung hinaus. Das Nähere unter Reede.
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