Kalmen
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 4
die, sind für Segelschiffe sehr unbeliebte windstille, heiße, regenreiche Striche am Äquat or, oft, weil sie sich in der Richtung de elben gürtelartig weiterziehen, auch Kalmengürtel genannt. Man denkt dabei zuerst an Windstille und verbindet in der Vors tel lung viel Regen dam it, die Benennung kommt aber von der Hitze. Im Span is chen und Portugiesischen heißt calm a, wie auch im It alien is chen, nicht bloß Windstille, Ruhe, sondern auch „heiße Tageszeit.‟ Mittellateinisch calm a, die Sonnenhitze, vom griechischen kauma, Brand, Hitze, wobei die Entstehung des l aus au wohl in Anlehnung an cal or geschehen ist. Die heiße Tageszeit nötigt, Schatten und Ruhe zu suchen, und so mochte das Wort die Bedeutung Stille, Ruhe entwickeln; d. h. für die Binnenländer und überhaupt die Leute am Lande; der Seemann hat das Wort wohl im umgekehrten Ged an ken gang in Gebrauch genommen; da es ihm zunächst und vor allen Dingen um Wind zum Vorwärtskommen zu tun ist, so hat er die erzwungene Ruhe, die lästige Windstille in den Vordergrund gestellt und denkt dabei wenig oder gar nicht mehr an die Hitze, wiewohl diese natürlich grade auf See, wo sonst der See wind das Leben erträglich macht, ziemlich unerträglich ist. So sehr ist der Begriff Hitze zurückgetreten, daß man behaupten kann, daß in der Seemann prache Kalmen gleichbedeutend mit Windstille sind; was schon daraus hervorgeht, daß „bekalmt‟ sein nichts weiter heißt als „ohne Wind sein‟, „in Windstille liegen‟ und auch von Segeln gesagt wird, die doch kein Gefühl für Hitze haben.
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