Gissen
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 4
heißt in der Seemann prache „vermuten‟ und wird nur in ganz bestimmter Verb in dung gebraucht: „gegißtes Besteck‟. Wenn das Wetter unsichtig ist, so daß genaue a str ono misc he Beobachtungen unmöglich sind, so wird das Besteck gegißt, d. h. es wird nach dem Loggen, nach der in den letzten 24 Stunden durch das Loggen festgesetzten Geschwindigkeit der Fahrt mit Berücksichtigung von Abtrift, Strömung und andern in Betracht kommenden Umständen ungefähr berechnet, auf welchem Längs-und Breitegrade am Mittag eines gegebenen Tages man sich befindet. Geschieht dies vom Koch und seinen Freunden in der Kambüse, oder sonst von Unberufenen ohne die nötige Unterlage und Genauigkeit, so wird es zum Kambüsenbesteck, geschieht es von Schiffs wegen durch den Navigationsoffizier, so heißt es „gegißtes Besteck.‟ Gi en ist ein allgemein-niederdeutsches Wort, das im Hochdeutschen nicht vorkommt, aber in dem Zeitwort verges sen steckt; es heißt denken, sinnen, meinen, raten, glauben, hoffen, mutmaßen, wähnen; englisch gue , schwedisch gi e, norwegisch gi a. Die Grundbedeutung ist halten (dafür halten). „Gi en maket bewillen mi en‟ ist ein alter niederdeutscher Seemann pruch; buten gi en = wider Erwarten, wider Vermuten; „alle unsalighen pleghen ere geiselen swaerer gi en den andern lude gheiselen.‟ „Wen men ock dagelikes Achtinge gifft, wo veel Fahrt dat Schip dorch dat Water hefft, und sick solckes inbildet, und entholt (einprägt und behält), dat he mit solcken Fortganck, daß dat Schip maket, so veel Milen in dat Etmahl segelen mag, alß he dorch Ver and ering der Brede und angesegelde Korß befunden hefft, so kan man mit der Tydt tho gode Gi inge kamen‟, „Kunst der Seefahrt‟ 1673.
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