Ballast

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 2
der. Eine Last aus Sand, Eisen etc. die nur eingenommen wird um dem Schiffe den nötigen Tiefgang zu verleihen.  —  Über die Bedeutung diese Wortes ist vielerlei vermutet worden. Es sollte von Bale = Bole = Last kommen, weil es eine Last sei, die auf Bohlen liegt. Aber dann wäre jede Last Ballast, denn worauf soll sie anders zu liegen kommen als auf Bohlen?  —  Es sollte Back-Last, Rücklast, sein; allein, nicht jede Rücklast ist Ballast, sie kann sogar sehr wertvoll sein. Dann hat man an das keltische bal = Sand gedacht, aber nicht jeder Ballast ist Sand. Halbert sma hat sich folgender Phantasie hingegeben: Bar-lest = saburra, ex bar a, und a, et lest, onus; „saburra enim imped it quo minus vacua nav is vi undae et vent i in lat us prosternatur‟.  —  Und doch ist die Erklärung, auf die meines Wi ens noch niemand ver fallen ist, sehr einfach. Man muß zunächst von Krieg chiffen ganz absehen und an Handel chiffe denken, denen alles darauf ankommt, gewinnreiche Ladung zu bekommen für Hinund Rückfahrt. Wenn ihm das nicht gelingt, so muß es freilich des nötigen Tiefganges wegen irgend eine Ladung einnehmen, auch solche, die hernach einfach wieder a us gel a den und als unnütz beiseite geworfen werden muß. Das ist dann eine schlechte, böse, üble, nicht lohnende Last. Und eben darum heißt sie Ballast. Bal hieß in allen german is chen Sprachen, heißt teilweise sogar heute noch schlecht. Gotisch balvjan, einem Böses tun, ihn plagen; althochdeutsch bale, malitia, balemund, schlechter Vormund, auch palo und bale, Verderben, Bosheit, Qual, Pein (Ballast zu fahren macht den Schiffer Qual und Pein genug); altsächsisch balu, Übel, baluwerk, Übelt at, baluspraka, verderbliche, schlechte Rede; angelsächsisch balu, bealu, perniciosus, mal us; altenglisch bale, mal us; altfriesisch bael, böse, bael mond, baelmond, schlechter Vormund. Im späteren Friesisch finden wir baldedich, gewalt-übel-tätig, balstiurrich, schlecht zu steuern, von einem, der in seinem Zorn, seiner Wut schwer zu behandeln ist; bal-éarich ist einer der schlecht hört. Auch im Nordfriesischen (Outsen) kommt balstürig, schwer zu lenken, als sehr bekanntes Wort vor. Des glei chen in Bremen für frevelhaft, gewalttätig. In Groningen sagt man: „doar is't bal‟, da ist es verkehrt, da steht es böse, da ist's nicht in Ordnung. Ein unnützes Kind heißt da geradezu ballast. Ein Junge, der nicht hören will, ist ein „Schlechtohr‟, „'n baloorn van 'n jong‟. Ähnlich heißt in Westfalen balhaerig, schlecht hörend, und zwar nicht taub, sondern schwerhörig von einem der aus Bosheit und Unart nicht hören will.  —  Also „unnütze Last‟. Das Richtige scheint schon der Teuthonista geahnt zu haben, der es mit onnutte scheepvracht wiedergibt. —  Des glei chen Kilianus: bal vet. Holl. mal us, inutilis, baldaed male factum, baldaedigh malefic us; ballast: inutilis farcin a, inutile onus, quo nav is oneratur, ut stabilior sit.  —  Im Übrigen ist die älteste Urkunde, in der ich das Wort gefunden habe, ein Hansa-Receß vom Jahre 1442.
Readham'da tam maddeyi gor →