Bake

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 2
die. „Signum secundum quod nav is regitur‟, diese Erklärung Halbert sma's dürfte in ihrer Kürze am tref fends ten die vers chi eden art i gen Bedeutungen des Wortes Bake zus am men fas sen. Denn wie eine Bake auch au ehen und wo sie auch angebracht sein möge, ihr Zweck ist für den Seemann doch immer der, seinem Schiff we is end und warnend den rechten Weg zu zeigen. Ein sehr altes deutsches Wort, das ursprünglich noch keineswegs ein Seezeichen, Segelmarke, Feuerzeichen, Landmarke u. dergl., sondern ganz allgemein Zeichen bedeutete. Es ist mit bücken verwandt, und dieses mit biegen. Die einfachsten und ursprünglichsten Zeichen sind ja die, daß man mit dem Kopfe nickt, den Oberkörper nach vorn biegt, sich bückt oder eine ähnliche Körperbewegung macht. Jeder der auf eine größere Entfernung einem anderen ein Zeichen giebt, wird unwillkürlich dabei seinen Oberkörper vornüber beugen, und eben diese Bewegung ist das was die Alten baken oder beken nannten. Dieser Name ward dann schon früh auf eine Stange übertragen, mit der man jemandem zuwinkte (Zaunpfahl!) oder die man als ein Zeichen für irgend etwas in den Boden steckte. Damit man diese Stange auf größere Entfernung des to be er sehe, wurde an ihrer Spitze ein Bündel Stroh oder Reisig befestigt. Noch heute stecken unsere Landleute da, wo die Polizei eine Warnungstafel anbringen würde, eine Stange mit einem Strohwisch in die Erde, und jeder weiß was das bedeutet.  —  Solche Baken, also Pfähle mit Reisigbündeln, haben in alten Tagen für das Signal und Nach rich ten we sen eine große Rolle gespielt. Wenn in Fries land hohe Fluten drohten oder ein Wind nahte, dann wurde die Gemeinde zusammengerufen durch „tha Klocka an to slan, iefta (oder) tha bekena of to stekene.‟ Oder die Gefahr wurde „mith boeda iefte baken a‟ den Freunden kund get an. Nachts ward das Reisigbündel auf der Stange angesteckt und hieß dann Feuerbake, „vierbaeck.‟ Es war den Wächtern genau vorgeschrieben, wann und in welchen Zeitabständen sie ihr Feuerzeichen zu entzünden hatten. Wie sehr aber in alt fries is chen Zeiten der all gem eine Begriff von Zeichen noch galt, geht daraus hervor, daß auch das Läuten der Glocken ein baken genannt wird. Im Theuthonista (XV. Jahrh.) steht bake gleichbedeutend mit hagelkruys und bezeichnet ein zur Erinnerung an einen verwüstenden Hagel errichtetes Gedenkzeichen in Form eines Kreuzes. Im Angelsächsischen ward beácen sogar vom Kreuze Christ i gebraucht, als Siegeszeichen, sige-beácen. Im Beówulf (VIII. Jahrh.) steht becn schlechthin als Zeichen; beácen heißt Feldzeichen, Feldherrnzeichen, was aber damals noch keine Flagge, sondern der am Mast aufgehißte Schild des Höchstkommandierenden war; auch kommt he of ones-beácen vor, Himmelszeichen, d. h. Feuersäule.  —  Brennende Baken dienten als Hochzeitsfackeln im fries is chen Brautzuge.  —  In dem olden burg is chen Saterland, jener fries is chen Enclave im Moor nach dem Münsterländischen zu, wo sich viele Reste des Alt fries is chen erhalten haben (gesammelt von J. U. Minßen und in Ehrentrauts fries is chen Archiv veröffentlicht) feierte man noch im XIX. Jahrhundert den Dienstag Abend der Fastnacht als „Be ken sei vend.‟ Darüber berichtet Str acker jan („Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg‟): „Wer noch be in haft (gehfähig, also noch einigermaßen nüchtern) war, machte sich ein langes Strohbündel von 4 bis 6 Zoll im Durchme er und 8 bis 12 Fuß Länge, das dicht und straff mit Bändern umwickelt war. Diese Beken (plattdeutsch Baken) wurden mit Dunkelwerden angezündet, und die Leute schwärmten dam it in den Feldern umher, tolle Lieder singend und wild schreiend.‟ Bake als Seezeichen im engeren Sinne, also nicht blos als Warnungszeichen, sondern als Wegzeichen oder vielmehr als Segelzeichen finden wir zum ersten Male in dem auf der Kommerzbibliothek in Hamburg aufbewahrten, von Karl Kloppmann, Arthur Breusing und Chris toph Walter herausgegebenen „Seebuch‟, das um das Jahr 1400 geschrieben worden ist und zahlreiche Segeldirektionen enthält, mit Berücksichtigung der Tiden, Stromläufe, Seezeichen u. s. w. Da lesen wir: „also gy wilt segelen int Vly so sole gy den torne unde de baken over en bringen.‟  —  Dann findet sich das Wort in einer alten Chronik des Landes Dithmarschen in ähnlichem Sinne: „Im Aug us to vell ein gruwlich water... welches allenthalben den acker und wege der gestalt verdekde, also dat men... pale und baken stecken moste, dat man nicht des rechten weges feilede.‟ Kilian aber erklärt Bake schon nur mehr mit „seemerk‟ und nennt auch Bake das was heutzutage im seemännischen Gebrauche Boje heißt. Jedenfalls ist das Wort jetzt au chließlich Seem ann sei gen tum. Kluge erklärt es mit „Zeichen an der Hafeneinfahrt und zur Warnung vor Untiefen‟, und berichtet, daß es im Hochdeutschen zuerst von Sperander 1727 als „Leuchtturm‟ verzeichnet worden ist. Ins Englische ist das Wort schon zu der angelsächsischen Zeit übergegangen und es lautet jetzt beacon. Naturgemäß spielt es in dieser Sprache eine große Rolle: „a mark or object of some kind placed conspicuously on a coast or over a rock or shoal at sea for the guidance of ve els.‟ „Various hills in England got the name of Beacon from the fact of signal-fires having been formerly lighted on them.‟ Überhaupt scheint in England der Gedanke an Feuer oder Licht in den Begriff von beacon heute noch hineinzuspielen, denn das Zeitwort to beacon heißt to afford light or aid, as a beacon; to light up; to illumine; to signal, welch letztere Bedeutung sich mit besonderer Kraft behauptet hat, was uns das noch verwandte Zeitwort to beckon beweist, „to make a sign to another by nodding, winking, or a motion of the hand or finger‟.  —  Von beacon kommt dann weiter beacon age, eine Abgabe zur Unterhaltung der Baken. Das ward in Deutschland als juristen-lateinisches Wort beconagium bekannt, wie die Gelehrten des Bremer Wörterbuches uns be rich ten, ist zum Glück aber wieder außer Gebrauch gekommen. Die Bake selbst aber ist nicht nur geblieben, sondern hat sich im Laufe der Zeit und des großen tech nis chen Fortschrittes der Seem anns chaft zu etwas ganz anderem ausgewachsen als einer sich beim Anblick eines mit tel alter lichen Strohwisches hätte träumen la en. Gibt es jetzt doch sogar Baken, in denen Nah run gsm it tel, Betten, Decken für Schiffbrüchige enthalten sind, also Ret tungs baken, wie es Baken mit Richtungsfeuer, Landerkennungsbaken, Pfahlbaken, Stein baken, Treibbaken, Signal baken und Winkbaken gibt.  —  Wegen der nahen Bedeutungsverwandtschaft ist Boje zu ver glei chen. Das Wort Bake hat sich so all gem eine Geltung verschafft, daß es be in a he au chließlich herrscht, und daß alle anderen Bezeichnungen für diesel be Sache, wie Fuse, Prikke, Steuder, Wacker, We the kaum mehr bekannt und höchstens noch auf beschränktem Gebiet in einzelnen Gegenden im Munde der Leute sind.  —  Das älteste mir zu Gesicht gekommene Bild einer Bake hat Lucas Janszoon Waghenaer, Steuermann zu Enckhuysen, in seinem berühmten Buche: „Spiegel der Zeevaerdt,‟ das in Leyden gedruckt, in „Am steered am‟ in eben dem Jahre 1588 erschienen ist, in dem die „unüberwindliche Armada‟ überwunden ward. Da heißt es  —  vergl. Tonne  — : „ende aen de ander zyden op de sanden ofte platen staen gemeenlyck de Baekens met korven bouen op in deser manieren‟, und ist dann eine Stange abgebildet mit einem Ball aus Korbgeflecht an der Spitze, wie man ihn auch heute noch als Sturmball etc. etc. gebraucht.
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